Das Geheimnis von Arbeitssicherheit

Dazu eine Frage an Sie: Was glauben Sie, ist die gefährlichste Tätigkeit im Unternehmen, die Tätigkeit, bei der über alle Branchen hinweg mit Abstand die meisten Arbeitsunfälle passieren? Sie erahnen es schon: Es ist das ganz banale Transportieren des menschlichen Körpers von A nach B. Dazu ein Beispiel. Angenommen, Ihr Chef ruft an und fordert Sie mit verärgerter Stimme auf, zu ihm zu kommen. Bevor Sie fragen können, um was es geht, hat er aufgelegt. Wo sind jetzt Ihre Gedanken? Sind die beim Gehen oder schon beim Ziel? Sie fragen sich vermutlich, was er will, was schiefgelaufen ist usw. Dies bedeutet, Sie sind jetzt nicht im Hier und Jetzt, sondern mit Ihrer Wahrnehmung bereits am Ziel. Dann wird eine Treppe zum gefährlichen Gerät und man stürzt. Deshalb gibt es in Deutschland jedes Jahr ca. 1.000 Arbeitsunfälle auf Treppen, die mit einem Rentenanspruch enden. Also mit einer bleibenden Schädigung. In vielen Unternehmen gibt es deshalb Regeln zur Benutzung von Treppen. Ein Hinweis lautet, immer mindestens einen Handlauf zu benutzen, ein weiterer Hinweis, jede Stufe zu benutzen. Beides sind sinnvolle Punkte. Meine Einstellung dazu ist: Sobald ich an den Handlauf denke, brauche ich ihn nicht mehr. Wie geht es Ihnen bei diesem Gedanken? Wenn ich an den Handlauf denke, dann bin ich mit meiner Wahrnehmung im Hier und Jetzt. Die dann vorliegende Präsenz führt dazu, dass ich geschützt bin.

Die Präsenz des Menschen ist immer eine Folge seines Interesses und seiner Motivation. Unser Interesse bestimmt unsere Wahrnehmung. Dies gilt generell und auch in Sachen Arbeitssicherheit. Sie kennen den Leitsatz der Lernpsychologie: Was interessiert, wird registriert, vollautomatisch. Also wenn meine Wahrnehmung im Hier und Jetzt ist und ich präsent bin, dann werden auch Gefahren erkannt. Jemand, der sich für Arbeitssicherheit interessiert, oder jemand, der bewusst bei der Arbeit ist, der ist geschützt, denn sein Gefahrenerkennungsmechanismus ist dann aktiviert. Es gilt der Satz: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.

So ergibt sich die Frage, von was die Präsenz eines Menschen und sein Interesse beeinflusst werden? Die wesentlichen Faktoren machen wir uns deutlich. Einmal ist die Qualifikation zu nennen. Mit steigender Qualifikation eines Menschen steigen auch sein Interesse am Tun und seine Konzentration. Untersuchungen bestätigen, dass bei vergleichbaren Tätigkeiten Menschen mit höherer Qualifikation weniger Arbeitsunfälle haben. Als weiterer Einflussfaktor sind die Erfahrungen zu nennen, die jemand bei der Ausführung der Arbeit macht. Wird Sicherheit vom Management belohnt oder bestraft? Wenn eine Störungsbeseitigung sicher vorgenommen wird und dadurch ein wenig länger dauert, was bekommt ein Mitarbeiter dann an Feedback? Oder wenn eine Störung sicherheitswidrig, aber schnell beseitigt wird, was ist dann das Feedback? Beides hat Wirkung auf Achtsamkeit, Interesse und Präsenz des Menschen. Weiter ist die Identifikation mit Aufgabe und Unternehmen zu nennen. Ein Beispiel macht uns das klar. Wenn ich mich auf Montag freue, dann bin ich ausgeschlafen, frisch und vorbereitet. Dort, wo jemand widerwillig zur Arbeit kommt, wird er eher nicht so ausgeschlafen und frisch sein. Dies wirkt sich gleichermaßen auf Arbeitssicherheit, auf Qualität und auf Produktivität aus. Weiter haben die Werte in der Organisation große Bedeutung für die Wahrnehmung der Menschen. Als nächster Punkt ist die Qualität des Dialogs zum Thema Arbeitssicherheit zu nennen. Damit meine ich die Leidenschaft und Begeisterung, mit der Führungskräfte das Thema in die Belegschaft hineintragen. Diese beeinflusst stark Wahrnehmung und Präsenz der Mitarbeiter bei ihrem Tun.

Alle genannten Punkte spiegeln sich in der Qualität der Wahrnehmung von Führung wider und sind Ausdruck der Unternehmenskultur. So werden Arbeitssicherheit, Qualität und Produktivität gleichermaßen beeinflusst. Und alle drei Themen sind so stark miteinander verzahnt. Deshalb gilt der Satz: Wer in Arbeitssicherheit gut ist, ist überall gut.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Bleiben Sie mir gewogen.

Es grüßt Sie herzlichst,

Ihr Stefan Bartel




Einen Kommentar schreiben

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.